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Jagdverhalten
| Wenig trübt die Freude an einem
Spaziergang mit dem Hund so wie dessen unkontrollierbares Jagdverhalten. Was
ist eigentlich Jagdverhalten?
Früher sprach man von Jagdtrieb, es ist aber keineswegs so, dass der Hund
diesem Trieb ausgeliefert wäre. Nehmen wir als Beispiel den Wolf welchem wir
gemeinhin eine stärkere Triebhaftigkeit unterstellen.
Sieht ein Wolf ein Beutetier in einer unerreichbaren Position so wird er
keinen Jagdversuch starten. Ist ein Wolf dagegen absolut satt so wird er
nicht einmal den Kopf nach einem potenziell erreichbarem Beutetier drehen.
Sprechen wir also von Trieben so sollten wir sie eher als
motivationsgesteuerte – jedoch in ihrer Grundanlage zu einem gewissen
Prozentsatz angeborene - Verhaltensweisen sehen.
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Sicher, es gibt Unterschiede zwischen
Wolf und Hund. Dem Hund kommt es in der Regel nicht auf den Jagderfolg an,
die Hatz an sich ist seine Belohnung. Sein Jagdverhalten ist rudimentär aber
schon die Ausübung dieses Verhaltens belohnt den Hund mit einer Ausschüttung
der unterschiedlichsten Endorphine. Nicht der Erfolg, sondern die Tätigkeit
an sich macht den Hund glücklich und belohnt ihn für sein Tun.
Was die Sache schwierig für uns macht ist, dass Jagdverhalten bei Hunden
genetisch fixiert ist. Der vollen Entwicklung dieser genetischen Anlage
müssen wir also durch Einflussnahme entgegenwirken.
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Die Praxis sieht aber anders aus, fast jeder Besitzer eines Hundes mit
starkem Jagdverhalten hat dies, wo es nur ging gefördert und entwickelt – er hat
sich seinen Wild hetzenden Hund in aller Regel selbst geschaffen. Es fängt
heutzutage schon damit an, dass man sich nicht über die Rasse welche man kauft
informiert, bestenfalls kauft man sich ein kleines Rassebüchlein über die
jeweilige Rasse welches – wie alle dieser Rasseführer – nur allgemein gültige
Banalitäten und 5 – 6 rassespezifische Seiten haben wovon 3 schon für den
abgeschriebenen Rassestandard draufgehen.
Abgerundet werden die Bücher durch die Aussage gerade jene besprochene Rasse
sei der ideale Familienhund schlechthin. Diese Aussage steht in nahezu jedem
Rasseführer und sagt gleich aus welcher Qualität dieses Buch ist – am besten man
stellt es gleich bei ebay rein um doch noch ein wenig Nutzen daraus zu ziehen.
Da sind wir beim Autokauf gewissenhafter, obwohl uns ein Hund zwei bis dreimal
so lange wie ein Auto begleiten wird.
Absolut in Mode sind Jagdhunderassen als Familienhunde. Ob Labrador,
Retriever, Müsterländer, Ridgeback, Dackel, Windhunde oder Terrier aller Arten.
Sicherlich: Bei einigen Rassen gibt es einen Unterschied ob sie aus einer
Arbeitslinie stammen oder ob sie aus generationenalten Schauzuchten kommen – all
dies ändert jedoch nichts daran, dass man eine Jagdhunderasse besitzt welche oft
über Jahrhunderte bestimmte jagdliche Verhaltensweisen bewusst angezüchtet
bekam. Wie kann man sich dann wundern, wenn der eigene Hund dieses Verhalten
auch aufweist?
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| Halten wir also fest, dass ein Großteil der Hundeanfänger sich schon
einmal für die grundsätzlich falsche Rasse entscheidet – wenn es dabei
bliebe wäre es noch lange kein Problem. Leider schließt sich jedoch – geht
man den Berichten der geplagten Besitzer nach – eine völlig ungeeignete
Aufzucht an. Wenn man sich einen Jagdhund kauft und nicht möchte dass er
Jagdverhalten an den Tag legt so sollte man dies nicht fördern. |
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Hat man aber den Welpen im Hause so trainiert man mit ihm unermüdlich
genau diese Jagdeigenschaften, man verknüpft sie positiv bei ihm und kurbelt
so die oben beschriebene Endorphinproduktion an indem man den Hund hinter
Bällen herjagen lässt, seine Jagdreflexe an Kongs schult, ihm das
Apportieren beibringt, am besten noch aus dem Wasser heraus, ihn einer
Beuteangel hinterherlaufen lässt, .....
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All die Eigenschaften welche der Hund von sich aus mitbringt
werden vom Besitzer oft bis zur Perfektion gefördert Haut er dann ab und kommt
erst nach einer halben Stunde wieder zu uns zurück so bekommt der Hund Druck.
Was lernt er daraus da er wie alle Hunde nur im Zeitraum von 0,5 – 1 Sekunde
Ereignisse verknüpfen kann? Er lernt Jagen macht glücklich, zurückkommen dagegen
bringt Ärger und er wird künftig noch länger wegbleiben. Sehen wir Wild welches
der Hund noch nicht bemerkte werden wir hektisch, fangen an zu rufen oder fassen
die Leine fester und kürzer. Was der Hund daraus lernt ist folgendes: Wenn
Frauchen hektisch wird lohnt es sich erst recht nach Jagdzielen Ausschau zu
halten.
Was kann man aber machen, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist?
Wenn man diese Fehler machte, weil man ein Opfer billiger Bücher schlechter
Autoren wurde?
Das A und O liegt in einer soliden Grundausbildung und einer gefestigten
Bindung. Um es ganz hart zu sagen: Ein Hund mit Jagdpassion, welcher nicht auf
Stoppkomandos absolut zuverlässig hört gehört in wildreichem Gebiet an die Leine
und zwar genau so lange, bis der Besitzer verstanden hat den Hund zu erziehen.
Dies ist in aller Regel nicht im Alleingang möglich. Man selbst sieht die
unzähligen kleinen Fehler – von denen ich oben einen Bruchteil aufzählte -
nicht. Man benötigt einen außen stehenden Beobachter der viel Hundeerfahrung hat
– am besten in einer guten Hundeschule. Dieser relativ geringe finanzielle
Betrag ist eine gute Investition in die nächsten 10 Jahre und dient dem
Zusammenhalt, der Freiheit und den Nerven beider Seiten. Auch bleibt der
zeitliche und finanzielle Aufwand wesentlich geringer wenn man VOR dem Auftreten
der ersten Probleme diese Hundeschule aufsucht und damit der Problementstehung
vorbeugt.
Wir besuchen die Fahrschule ja auch nicht erst nach dem ersten Unfall oder
erlernen das Lesen und Rechnen erst nach dem ersten Vorstellungsgespräch. Ziel
dieses Besuches sollte es sein zu erkennen, wenn der Hund Jagdverhalten zeigt.
Läuft er bereits los, haben sie Ihren Einsatz verschlafen und den Hund in seinem
Verhalten gefördert – sie haben ihn weiter für sein Verhalten belohnt.
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| Sie müssen ihren Hund soweit kennen
lernen, dass sie exakt in dem Moment eingreifen können, wenn er den
Entschluss tätigt loszulaufen, wenn er beschließt eine Spur aufzunehmen. Sie
müssen sehen wenn er angespannt Beute fixiert oder eine Spur aufnimmt.
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Sie müssen Eingreifmöglichkeiten lernen, wenn der Hund sich aus Ihrem
Blickfeld entfernt, er soll nicht an Ihrer Seite kleben aber ein
eigenständiges Stöbern im Unterholz darf logischerweise von Ihnen nicht
geduldet werden. Lernen sie dort dem Hund beizubringen immer in Ihrer Nähe,
im 10 Meter Umkreis zu bleiben, langsamer zu werden, sich auf den Weg rufen
zu lassen und beim Anblick von Wild zu verharren und auf den Besitzer zu
warten.
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Alleine lässt sich dies nicht schaffen. Haben sie einen extrem
hundeerfahrenen Menschen in der Familie kann´s klappen – ich rede hier nicht von
jemanden der sein ganzes Leben lang Hunde hatte, ich rede von Menschen die
viele, viele Hunde erzogen haben und auf dem wissenschaftlich neuestem Stand
sind, ansonsten suchen sie VOR entstehen der ersten Probleme eine gute
Hundeschule auf, wenn die Rasse ein solches Verhalten erahnen lässt oder beim
Junghund erste Anzeichen auftreten. Das A und O bei allen erzieherischen
Aufgaben – vor allem bei unerwünschtem Jagdverhalten ist es die Bindung zwischen
Hund und Mensch zu verstärken. Es muss für den Hund mehr Vorteile bringen bei
Ihnen zu bleiben als auf eigene Faust zu jagen. Ich spreche hier nicht davon den
angeborenen Jagdinstinkt zu unterdrücken und den und in ein unnatürliches
Verhalten zu zwingen, ich rede davon dem Hund beizubringen, dass Jagderfolg nur
an Ihrer Seite möglich ist.
Das Kapitel der Bindungsstärkung zwischen Hund und Mensch erachte ich als so
wichtig, das ich ihm hier eine Extraseite gewidmet habe. Geeignete
Beschäftigung, Spiele und Jagdersatzhandlungen stelle ich in einem Extrakapitel
vor.
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