Die hier vorgestellte
Einteilung von Entwicklungsphasen basiert auf
entscheidenden Schritten in der körperlichen und verhaltensmäßigen
Entwicklung
junger Hunde. Die angegebenen Phasen gelten für den durchschnittlichen
mittelgroßen Hund. Bei kleinen, frühreifen Rassen sind die einzelnen Phasen
evtl. kürzer. Bei großen, spätreifen Tieren entsprechend länger.
Das Skript enthält Textpassagen aus der Broschüre "Der sozialverträgliche
Hund",
die für den Bundesverband Praktischer Tierärzte erstellt wurde. Diese
Passagen
sind durch eine andere Schriftart und -größe erkennbar.
1. Phase: bis zur 20. Lebenswoche
Der Welpe sollte nach der Übernahme vom Züchter/Verkäufer ein bis zwei
Tage
Zeit haben, sich in seiner neuen Umgebung einzugewöhnen. In dieser Zeit
lernt er
die neuen Rudelmitglieder, das neue Lebensumfeld und die tägliche Routine
kennen. Sobald der Welpe sich ein klein wenig akklimatisiert hat, muss seine
Sozialisation (Gewöhnung an die belebte Umwelt) und Habituation (Gewöhnung
an
die unbelebte Umwelt) begonnen bzw. fortgesetzt werden. Dazu empfiehlt sich
der
Besuch einer gut geführten Welpenspielgruppe ein-bis zweimal pro Woche.
Kriterien für eine gute Welpenspielgruppe
- Teilnahme nur für Welpen und Junghunde von 8 bis 16 Wochen (max. 20
Wo.),
einzelne erwachsene Hunde mit gutem Sozialverhalten als Erziehungshelfer
können hilfreich sein
- Teilnahmevoraussetzung ist der Nachweis der Erstimpfung gegen Parvo
und
Staupe
- Kleine Gruppen, d.h. bei mehr als sechs Welpen mindestens 2 Betreuer
-Sozialspiel und Gewöhnung an Umweltreize sollten im Vordergrund stehen,
kleine Erziehungsübungen, vor allem das Heranrufen aus jeder Lebenslage,
sind
auch wichtig
- Offen für alle Rassen.
Rassistische Welpenspielgruppen verfehlen den eigentlichen Zweck egal wie
gut
die Rechtfertigungsversuche des Veranstalters klingen. Die ersten
Erziehungsschritte zuhause umfassen das Sauberkeitstraining, das Benagen
geeigneter und akzeptabler Gegenstände und das stressfreie Alleinbleiben. Um
diese Lernziele zu erreichen muss der Welpe zunächst an einen Zimmerkäfig
als
sicheren Schlaf- und Rückzugsort gewöhnt werden.
Der sichere Schlafplatz
Der Welpe braucht einen sicheren Ort, an den er sich zurückziehen und wo
er
schlafen kann Dieser Platz muss in Ihrer Nähe sein. In der Natur ist ein
Welpe,
der vom Rudel getrennt wird, ein toter Welpe. Alleinsein löst
Todesangst
aus. Es muss schrittweise geübt werden Lassen Sie Ihren Welpen
anfangs
nie mehr als ein paar Augenblicke allein. Nachts sollte er neben Ihrem Bett
schlafen. Wenn er wach wird und Angst bekommt, können Sie ihn mit einer Hand
berühren. Der Körperkontakt wird ihn beruhigen und er schläft wieder ein.
Der
Schlafplatz sollte so beschaffen sein, dass der Welpe ihn nicht
selbstständig
verlassen kann. Sonst wird er unbemerkt aufstehen und sein Geschäft in der
Wohnung erledigen. Es besteht auch die Gefahr, dass er Dinge anfrisst, die
Ihnen
lieb und teuer sind. Das ist ärgerlich und für ihn vielleicht
lebensgefährlich.
Optimal geeignet für die sichere Unterbringung des Welpen ist ein
Zimmerzwinger.
Das ist ein Drahtkäfig, der auch für den Transport im Auto benutzt werden
kann.
Auf Reisen stellt er für den Hund ein Stück Heimat dar. Polstern Sie den
Käfig mit einer Decke oder einem Hundebett aus. Tagsüber kann er offen in
dem
Raum stehen, in dem sich Ihr Familienleben abspielt. Der Welpe kann sich in
seine sichere Höhle zurückziehen, wenn er müde ist. Machen Sie ihm den
Aufenthalt dort angenehm, indem Sie ihm einen Futterball oder Kauknochen
hineintun. Wenn Sie Ihr Hundekind kurzfristig nicht überwachen können, kann
es
-zu seiner eigenen Sicherheit auch am Tage mal eine halbe Stunde im
geschlossenen Käfig verbringen.
Sauberkeitstraining
Das Sauberkeitstraining beginnt in der fünften Lebenswoche und
funktioniert
nach einem ganz einfachen Prinzip. Sobald der Welpe alt genug ist
selbstständig
Harn und Kot abzusetzen und zu diesem Zweck das Nest bzw. die Wurfkiste zu
verlassen, lernt er, wo kleine Hunde zur Toilette gehen. Jedes Mal, wenn er
eine
Pfütze oder ein Häufchen macht, merkt er sich den Untergrund und die
Umgebung.
Dabei entsteht eine immer festere Verknüpfung zwischen der Handlung und dem
Ort
des Geschehens. Der Welpe sucht immer wieder die selben Löseplätze auf, wenn
er
die Möglichkeit dazu hat. Etwa ab der zwölften Lebenswoche kann der Welpe'
sein
Bedürfnis sich zu lösen für zunehmende Zeit aufhalten, wenn er sein "Klo"
nicht
direkt erreichen kann. Wenn Ihr Welpe beim Züchter bereits gelernt hat, sein
Geschäft im Freien auf Gras oder Erde zu verrichten, müssen Sie ihn nur
immer,
wenn er muss rechtzeitig dorthin bringen, wo er d:1rf und soll. Rechtzeitig
heißt: Tagsüber in etwa alle zwei Stunden und immer nach dem Fressen. nach
dem
Schlafen und nach dem Spielen.
Nachts sollte ein gesunder Welpe ca. sechs Stunden durchschlafen und
durchhalten. Muss Ihr Welpe öfter, hat er wahrscheinlich Durchfall oder eine
Blasenentzündung. Gehen Sie damit sofort zu Ihrem Tierarzt. Bringen Sie
Ihren
Welpen anfangs immer an die gleiche Stelle, wenn er muss. Nehmen Sie ihn auf
den
Arm und tragen Sie ihn dorthin. Sie riskieren sonst, dass er sein Geschäft
schon
vorher erledigt. Am "Klo" angekommen setzen Sie ihn auf den Boden.
Bleiben Sie dabei und warten Sie bis er -sich zum Pinkeln oder Häufchen
machen hinhockt. Jetzt können Sie sein "Lösesignal" trainieren. Das ist ein
'ort
wie "mach was" oder .,Pipi", das Sie jedes Mal. wenn der Welpe sein Geschäft
milcht mehrfach leise wiederholen. Wenn er fertig ist, loben Sie ihn. Sie
können
jetzt zur Belohnung noch ein Leckerehen geben oder ein bisschen Spielen.
Nach
einiger Zeit haben Sie einen Hund, der sich löst, wenn Sie ihn dazu
auffordern
Trennen Sie "Gassigänge" und Spaziergänge. Wenn Sie mit dem Welpen spazieren
gehen hat er so viele aufregende Dinge zu tun. dass er meist völlig
vergisst,
dass er mal muss.
Es fallt ihm erst wieder ein, wenn er zuhause ist und schon ist ein Fleck
auf
dem Teppich. Sollte doch mal ein Geschäft in der Wohnung landen, machen Sie
es
kommentarlos weg und reinigen Sie die Stelle gründlich. Anschließend treten
Sie
sich selber in den Hintern -es war nämlich Ihre Schuld. Passen Sie beim
nächsten
Mal besser auf und gehen Sie rechtzeitig mit dem Welpen hinaus. Schimpfen
oder
Strafen Sie auf gar keinen Fall den Hund. Er kann das nicht verstehen und
bekommt Angst vor Ihnen. Wenn Ihr Welpe beim Züchter keine Gelegenheit
hatte,
sein Geschäft draußen zu erledigen, haben Sie ein Problem.
Der Welpe hat nämlich schon einige Wochen lang geübt, drinnen aufs Klo zu
gehen. Vielleicht ist er auf Zeitung trainiert, dann lässt sich der Schaden
noch
in Grenzen halten. Legen Sie ihm eine Zeitung hin. Wenn er sein Geschäft
darauf
erledigt hat. nehmen Sie die Zeitung beim nächsten "Gassigang" mit zu der
Stelle, die Sie als Hundeklo benutzen wollen. Legen Sie die benutzte
Klozeitung
dorthin und warten Sie, bis der Welpe, sein Geschäft verrichtet. Nach ein
paar
Tagen, wenn er sieh zuverlässig draußen auf der Zeitung löst, verkleinern
Sie
das Zeitungsstück, bis Sie es ganz weglassen können. Sie sollten allerdings
in
den nächsten Wochen zuhause nirgends Zeitungen herumliegen lassen.
Hat der Welpe beim Züchter gelernt einfach so sein Geschäft im Haus zu
verrichten, kann es Ihnen passieren, dass er draußen gar nichts macht.
Sobald
Sie wieder im Haus sind, wird er sich erleichtert einen Löseplatz suchen.
Beobachten Sie ihn nach dem Zurückkommen genau. Sobald er Anstalten macht am
Boden zu schnüffeln. zu Kreiseln oder sich hinzuhocken, nehmen Sie ihn auf
den
Ann und gehen wieder nach draußen. Haben Sie Geduld und bedanken Sie sich
beim
Züchter. vielleicht zahlt er die Teppichreinigung.
Das Alleinbleiben
Sobald sich Ihr Welpe ein wenig eingelebt hat, sollten Sie anfangen mit
ihm
das Alleinbleiben zu üben. Beginnen Sie damit. wenn er in seinem Zimmerkäfig
spielt oder an seinem Kauknochen nagt. Schließen Sie die Käfigtür. Wenn er
sich
dadurch nicht stören lässt, gehen Sie kurz aus dem Raum. Bleiben Sie nur
einen
Moment draußen. Gehen Sie wieder hinein, ohne sich um den Welpen zu kümmern.
Nach ein paar Minuten öffnen Sie die Käfigtür ohne den Welpen zu beachten.
Die
Tür war zu und Sie waren kurz draußen, dass ist alles. Machen Sie kein
Ereignis
daraus. Sollte Ihr Welpe unruhig werden, wenn Sie die Käfigtür schließen,
müssen
Sie ihn noch ein paar Tage über Futter und Lob an den Käfig gewöhnen, bevor
Sie
weiterüben können. In den nächsten Wochen sollten Sie den Welpen immer
wieder
dafür lohen und belohnen. dass er sich auf seinen Platz zurückzieht. Üben
Sie
täglich mit ihm einige Zeit im geschlossenen Käfig zu verbringen.
Machen Sie die Übungen, wenn der Welpe müde ist oder sich mit seinem
Spielzeug oder seinem Futterball bzw. Kauknochen beschäftigt. Bleiben Sie.
ohne
auf den Welpen einzugehen, ein Weilchen im selben Raum. Dann gehen Sie
hinaus.
Steigern Sie die Zeiten, die Sie außerhalb des Raumes verbringen jeden Tag.
Kommen Sie zwischendurch immer mal kurz hinein oder gehen Sie an der
Zimmertür
vorbei, um zu sehen ob der Welpe noch spielt oder frisst oder ob er
vielleicht
eingeschlafen ist. Beachten Sie ihn dabei nicht. Sollte er unruhig werden,
bleiben Sie im Raum, bis er sich wieder entspannt hat. Beenden Sie die Übung
indem Sie die Käfigtür öffnen, ohne den Welpen zu beachten. Achten Sie
darauf
dass der Welpe nie in Panik gerät. wenn Sie ihn allein lassen.
Wenn Sie ohne ihn eine Besorgung machen müssen und keinen Hundesitter
haben,
nutzen Sie die Zeit. wenn er schläft. Loben und belohnen Sie ihn nicht, wenn
er
artig allein geblieben ist. Er wartet sonst beim nächsten Mal sehnsüchtig
auf
Ihre Rückkehr und die Belohnung, anstatt entspannt die langweilige Zeit ohne
Sie
zu verschlafen. Später, wenn der Hund stubenrein ist und keine Gefahr mehr
besteht, dass er etwas anfrisst, wenn er unbeaufsichtigt ist, brauchen Sie
die
Käfigtür nicht mehr zu schließen, wenn Sie ihn allein lassen.
Benagen der Wohnungseinrichtung
Welpen sind ausgesprochen neugierig. Sie erkunden Ihre Umwelt in ersten
Linie
mit den Zähnen. Das ist vollkommen normal und endet erst nach dem
Zahnwechsel.
Lassen Sie in der Wohnung nichts herumliegen. was der Welpe anfressen
könnte.
Sie haben jetzt ein vierbeiniges Kleinkind im Haus. Bringen Sie alles in
Sicherheit. was zerstört werden könnte oder für den Welpen gefährlich ist.
Sollte er trotzdem etwas anfressen, was nicht für ihn gedacht ist (z.B. ein
Stuhlbein oder den Teppich), gehen Sie ruhig zu ihm hin. Sagen Sie ,.nein"
und
nehmen Sie ihm den Gegenstand aus dem Maul. Schieben Sie ihm stattdessen
seinen
Kauknochen zwischen die Zähne und loben Sie ihn, wenn er darauf herum kaut.
Sollte er gleich wieder versuchen den Teppich zu benagen, sagen Sie
wieder
ruhig..nein". Nehmen Sie ihm den Teppich aus dem Maul, geben Sie ihm den
Kauknochen und tragen Sie ihn samt Kauknochen in seinen Zimmerkäfig. Sperren
Sie
ihn mit dem Knochen dort ein. Loben Sie ihn. wenn er den Knochen benagt.
Lassen
Sie ihn ein Weilchen im Käfig. ohne ihn weiter zu beachten. Er wird die
Sache
mit dem Teppich noch einige Male probieren. Bleiben Sie ruhig aber
konsequent.
Wenn er merkt. dass er Sie damit ärgern kann. wird ein lustiges Spiel
daraus.
Wenn er keinen Erfolg hat. wird es bald langweilig.
Neben diesen ersten grundlegenden Lernzielen sollte der junge Hund in
dieser
Zeit lernen Menschen nicht anzuspringen, eine gut funktionierende
Beißhemmung
aufzubauen und Keine Aggression über Futter (oder Spielzeug) zu zeigen.
Beißhemmung
Welpen haben sehr spitze Zähne. Sie beißen damit im Spiel in alles, was
sich
bewegt. Ohren. Beine und Schwänze anderer Hunde sind dabei genauso beliebt,
wie
Hände, Füße und Kleider von Menschen.
Im Rudel lernen die jungen Hunde bis zum Alter von ca. 18 Wochen, eine
gute
Beißhemmung aufzubauen. Sie müssen bei Ihrem Welpen bzw. Junghund (so heißt
das
ab der zwölften Lebenswoche) dort mit der Erziehung weitermachen, wo die
Mutter
aufgehört hat. Die Beißhemmung gegenüber anderen Hunden lernt er im
Sozialspiel
in der Welpenspielgruppe. Die Beißhemmung gegenüber Menschen lernt er im
Spiel
mit Ihnen. Dazu müssen Sie mit ihm Beißspiele spielen. Das sind Spiele. bei
denen der Welpe in Ihre Hände, Füße oder Kleid. beißen darf. Wenn er zu wild
wird und zu heftig zubeißt, brechen Sie das Spiel ab. Schimpfen und strafen
Sie
ihn nicht Dadurch bekommt er nur Angst oder wird noch wilder. Sagen Sie
ruhig
„nein“ und beachten Sie ihn ein bis zwei Minuten lang nicht. Sobald er sich
wieder beruhigt hat, fordern Sie ihn erneut zum Spielen auf. Er soll dabei
Spaß
haben und gleichzeitig lernen, dass der Spaß Grenzen hat. Im Laufe der
nächsten
Wochen, brechen Sie das Spiel immer früher ab, wenn der Welpe seine Zähne
einsetzt. Im Alter von 18 bis 20 Wochen sollte Ihr Jungbund gelernt haben,
dass
der Einsatz von Zähnen im Umgang mit menschlicher Haut und Kleidern absolut
tabu
ist.
Futterverteidigung
Falls Ihr Welpe knurrt oder Sie attackiert, wenn er Futter oder einen
Kauknochen hat, müssen Sie etwas dagegen tun. Futter ist für den Hund eine
lebenswichtige Sache. Wenn ausreichend davon vorhanden ist, gibt es keine
Probleme. Aggression über Futter entsteht nur, wenn der Welpe sich gegen
Konkurrenten durchsetzen muss, um satt zu werden. Wenn die Hündin nicht
genug
Milch für Alle hat oder wenn der Züchter später beim Zufüttern der Welpen
nicht
für Jeden einen Platz am Napf zur Verfügung stellt, lernen die Welpen
frühzeitig
ihr Futter zu verteidigen. Das kann später gefährlich werden. Es könnte
jemand
gebissen werden, der zufällig am Hund vorbei geht, wenn dieser etwas zu
Fressen
hat. Außerdem ist es wichtig. dem Hund etwas Fressbares abnehmen zu können,
wenn
er z.B. draußen einen scharfkantigen Knochen, Geflügelreste oder andere
gesundheitsschädliche Dinge findet. Deshalb sollte Ihr Welpe lernen, dass es
gut
für ihn ist, wenn Sie in der Nähe sind, während er frisst. Füttern Sie daher
einen Tell seiner Tagesration immer als Trainingsbelohnung aus der Hand.
Lassen
Sie ihn dafür herankommen, sich hinsetzen oder eine andere Übung ausführen.
Zur Belohnung gibt es ein paar Futterbröckchen. Wenn Sie ihn aus dem Napf
füttern, tun Sie nur eine winzige Portion hinein. Sobald die aufgefressen
ist
und der Welpe den Napf freigibt, gehen Sie hin und tun die nächste kleine
Portion hinein. Nach ein paar Tagen, wenn der Welpe keine Angst mehr hat.
dass
Sie ihm etwas wegfressen könnten, bleiben Sie während er frisst neben ihm
stehen. Sobald der Napf leer ist, füllen Sie etwas nach. Nach ein bis zwei
Wochen. wenn der Welpe in Ihrer Anwesenheit entspannt frisst, können Sie den
Napf beim Fressen in der Hand halten. Wenn auch das entspannt möglich ist,
lassen Sie Ihre Hand im Napf. wenn Sie die nächste Portion nachfüllen.
Machen
Sie diese Übung ein paar Tage lang. Anschließend können Sie wieder dazu
übergehen, ganz normal aus dem Napf zu Füttern. Machen Sie es sich zur
Gewohnheit. gelegentlich, während der Hund frisst. etwas besonders Leckeres
nachträglich dazuzugeben.
Wenn Ihr Welpe Kauknochen oder Spielzeug verteidigt, üben Sie mit ihm
diese
Dinge im Austausch für ein besonders leckeres Häppchen abzugeben. Lassen Sie
sich nicht auf Auseinandersetzungen ein. Bieten Sie das Leckerchen nur an.
Will
er es nicht haben, hat er seine Chance verpasst. Wiederholen Sie die Übung
später, wenn er mehr Hunger hat. Wenn er den Knochen oder das Spielzeug
loslässt, loben Sie ihn und geben ihm die Belohnung. Dann darf er den
Knochen
Nieder haben. Tauschen Sie mehrmals, dann lassen Sie ihn in Ruhe den Knochen
kauen oder mit dem Spielzeug spielen. Wenn er später das Interesse verloren
hat.
sammeln Sie die Reste ein. Erst wenn Ihr Welpe Gegenstände problemlos
hergibt,
können Sie ihm etwas wegnehmen ohne es gleich wieder zurückzugeben.
Außerhalb des Hauses sollten die ersten Wochen mit dem neuen Welpen dazu
genutzt werden, über die jetzt noch stark ausgeprägte Nachfolgereaktion das
freie Folgen und das Herankommen auf Signal aufzubauen. Nach der Gewöhnung
des
jungen Hundes an Halsband bzw. Brustgeschirr und Leine, sollte das Laufen an
lockerer Leine trainiert werden. Der Welpe sollte in kleinen Schritten
spielerisch und konsequent über positive Erfahrungen lernen
Handling-Maßnahmen
zu genießen. Besuche in der Tierarztpraxis als Trockentraining sind wichtig,
damit der Hund ein Sicherheitspolster positiver Verknüpfungen aufbaut, die
spätere evtl. unangenehme Behandlungen auffangen und abpuffern können. Der
Hundehalter sollte in dieser ersten Erziehungsphase für seinen Hund zum
"Nabel
der Welt" werden. Durch gezielt eingesetzte Motivation (interessante Spiele,
Futter, soziale Zuwendung, Spiel mit anderen Hunden usw.) sollte zunächst
die
einfache Beschäftigung mit dem Besitzer, später der gezielte Rückruf - auch
aus
der Gruppe spielender Hunde - verstärkt werden.
Hilfreich ist dabei der Aufbau eines Superspielzeugs. Je nach Hundetyp
und
persönlicher Veranlagung eignen sich dafür beispielsweise Wurfspielzeuge,
Quietschies oder Futterbeutel. Dieses Spielzeug ist ein rein interaktives
Spielzeug. Der Hund bekommt es nie, um sich alleine damit zu vergnügen. Es
dient
dazu den Besitzer als "Gott des Superspielzeugs" interessanter zu machen als
alles, was sich sonst so auf der Welt entdecken lässt.
Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Besitzer sich immer wieder selber
mit
dem Spielzeug beschäftigen. Wenn der Hund Interesse zeigt darf er kurzzeitig
mitspielen und richtig viel Spaß haben. Das Spiel wird immer vom Menschen
beendet, wenn es gerade am Schönsten ist. Mit der Zeit muss der Hund sich
immer
mehr Mühe geben, um das tolle Spiel spielen zu können. D.h. er muss sich
zunehmende Zeiten und unter stärkerer Ablenkung auf seinen Menschen
konzentrieren, bevor dieser ihn an dem Spiel teilhaben lässt. Schließlich
wird
das Ganze auf Signal gesetzt. Der Aufbau ist gelungen, wenn der Hund beim
Anblick des Superspielzeugs bzw. bei der Wahrnehmung des dazu
konditionierten
Signals alles andere ausblendet, nur noch Augen für seinen Besitzer und das
Spielzeug hat und jede andere Tätigkeit sofort unterbricht, um an das Objekt
seiner Begierde zu gelangen.
Damit ist auch die Grundlage geschaffen, um in der nächsten
Entwicklungsphase
Probleme mit unerwünschtem Jagdverhalten gar nicht erst entstehen zu lassen
. Im
Rahmen der ersten Erziehungsphase kann bereits mit dem Training der
folgenden
Übungsziele begonnen werden:
- Blickkontakt aufnehmen auf Signal (= sieh mich an, sei aufmerksam)
- Lobwort (konditionierter positiver Verstärker)
- "Nein" (= Frust, konditionierter negativer Verstärker)
- Hinsetzen auf Signal Platz Hinlegen auf Signal
- "Aus" (= etwas loslassen, was der Hund gerade im Maul hat)
- Herankommen auf Signal
Selbstverständlich muss man beim Aufbau der Signale immer daran denken,
dass
optische Signale für den Hund auf kurze Distanz viel wichtiger sind
akustische
Signale. Körpersprache ist sozusagen seine Muttersprache. Daher werden
Sichtzeichen viel schneller und leichter gelernt als Hörzeichen, auch dort,
wo
wir uns gar nicht bewusst sind, dass wir überhaupt Sichtzeichen aussenden.
Ob
ein Hörzeichen wirklich verknüpft worden ist, lässt sich daran erkennen,
dass
der Hund auch dann zuverlässig mit der gewünschten Handlung reagiert, wenn
er
uns nicht sehen kann. Wer später mehr erreichen möchte als die reine
Grunderziehung, kann bereits beim Welpen mit dem Clicker arbeiten.
Der Clicker verbessert das Timing (richtige Anwendung durch den Besitzer
vorausgesetzt!) bei der Verstärkung erwünschten Verhaltens erheblich und
erleichtert damit den Aufbau neuer, komplexerer Verhaltensabläufe und die
Distanzkontrolle. Außerdem trainiert der Hund beim free-shaping seine
Lernfähigkeit. Er lernt zu lernen.
2. Phase: 6. bis 12. Lebensmonat
Ab dem sechsten' Lebensmonat ist das Skelettsystem des jungen Hundes
soweit
ausgereift, dass das Laufen über größere Strecken ohne Schäden aufgebaut
werden
kann. In der Natur fangen die Jungtiere in dieser Zeit an das Rudel bei
Jagdausflügen zu begleiten. Der junge Haushund kann jetzt schrittweise zu
längeren Spaziergängen mitgenommen werden. Auch das Mitlaufen beim Joggen!
am
Fahrrad oder am Pferd kann ab der 20. Lebenswoche langsam aufgebaut werden.
Die
Geschicklichkeit beim Überwinden von Hindernissen und das Körperbewusstsein
sollten weiter ausgebaut werden. Dabei darf es aber noch nicht zu einer
leistungssportmäßigen Belastung kommen. Alles, was der junge Hund vorher
gelernt
hat! muss natürlich weitergeführt! gefestigt und teilweise weiter ausgebaut
werden. Außerdem muss an der Kontrolle des in dieser Entwicklungsphase
entstehenden Jagdverhaltens gearbeitet werden.
Dafür eignet sich kontrollierte Fährtenarbeit, das Trainieren der
Wildanzeige
(Vorstehen, Kontaktaufnahme mit dem Besitzer o.ä.) und vor allem der Einsatz
des
Superspielzeugs als Belohnung und Alternativmotivation. In dieser
Entwicklungsphase fangen die meisten Hunde an jagen zu gehen. Sie tun das
entweder mit ihren Menschen und jagen die Beute! die in diesem Rudel
traditionelle Jagdbeute ist (z.B. Ball, Quietschie oder Futterbeutel) oder
sie
tun es alleine und jagen die Beute, die sich gerade anbietet (Katzen,
Jogger,
Wild, Autos usw.). Wenn der Hund in dieser Phase keine Gelegenheit hat
unkontrolliert unerwünschte Beuteobjekte zu hetzen, ist die Gefahr gering,
dass
sich später im Leben ein ernsthaftes Jagdproblem entwickelt.
Diese Form von Jagdkontrolltraining eignet sich auch für Hunde, die
jagdlich
geführt und eingesetzt werden sollen, da keine aversive Unterdrückung des
Jagdverhaltens stattfindet, sondern eine positiv konditionierte Kontrolle.
Bei
jagdlich geführten Hunden kann das -auf Signal gestattete -Verfolgen von
Wild
oder Fährte als zusätzlicher Verstärker für die Wild-bzw. Fährtenanzeige von
Anfang an kontrolliert für die Ausbildung genutzt werden.
Pubertät
Im Bereich der Verhaltensentwicklung stellt die Pubertät noch einmal eine
besonders sensible Phase dar.
Negative Erfahrungen in dieser Zeit wirken sich stärker und nachhaltiger
aus,
als während der vorhergehenden Junghundphase oder im Folgenden erwachsenem
Stadium. Die pubertäre Phase der Hündin umfasst den Zeitraum der ersten
Läufigkeit. Sie beginnt einige Wochen vor den ersten sichtbaren
Läufigkeitssignalen, wenn die hormonelle Tätigkeit einsetzt und endet ca.
drei
Monate nach der eigentlichen Läufigkeit, wenn die Scheinmutterschaft (Lactatio
falsa) abklingt.
Hormonell gesehen machen alle Hündinnen eine Scheinträchtigkeit,
Scheingeburt
und Scheinmutterschaft durch, auch wenn keine äußeren Anzeichen (Gesäugeanbildung,
Nestbau, Bemuttern von Ersatzwelpen) erkennbar sind. Bei frühkastrierten
Hündinnen finden die Entwicklungsvorgänge der Pubertät ebenfalls statt, sie
sind
nur nicht so ausgeprägt, da ein Teil des hormonellen Spektrums fehlt. Beim
Rüden
ist das Einsetzen der Pubertät daran zu erkennen, dass der junge Rüde jetzt
regelmäßig beim Pinkeln das Bein hebt (Harnmarkieren).
Die Dauer der Pubertät ist beim Rüden nicht ganz so klar abzugrenzen. Das
Ende dieser Phase erkennt man am Ehesten daran, dass die Imponierduelle und
die
ständigen pubertären Rangeleien mit anderen Rüden, die durch die
Hormonschwankungen provoziert werden, deutlich abnehmen. Voraussetzung dafür
ist
allerdings eine gute Sozialisation mit Artgenossen im Welpen-und
Junghundalter
und die Möglichkeit während der Pubertät diese sozialen Auseinandersetzungen
zum
Kräftemessen möglichst ohne unangemessene menschliche Intervention mit
sozial
sicheren Artgenossen erfahren zu können.
Was viele Hunde Besitzer nicht wissen: Während der Pubertät finden auch
bei
junge Hunden, ähnlich wie beim Menschen, richtiggehende "Umbauprozesse" im
Gehirn von statt. In dieser Phase, die meist zwischen dem 6. und 10.
Lebensmonat
eintritt und ca. 4 -6 Wochen anhalten kann, verändern manche Hund ihr
Verhalten
schlagartig. Sie werden unkonzentriert, manchmal auch extrem schreckhaft
oder
ängstlich. Sie scheinen alles vergessen zu haben, was sie bis dahin gelernt
haben. Man sollte in dieser Zeit eine Trainingspause einlegen und lediglich
über
geschicktes Management verhindern, dass der Hund sich selber unerwünschte
Dinge
antrainiert. Wenn die Phase vorbei ist kann man in aller Regel im Training
wieder dort anknüpfen, wo man vorher aufgehört hat.
3. Phase: Erziehung ab dem 12. Lebensmonat
Mit Erreichen des ersten Lebensjahres ist das Längenwachstum der Knochen
bei
den meisten Hunden abgeschlossen. Damit ist der junge Hund (Ausnahme: große
und
schwere Rassen!!) körperlich soweit ausgereift, dass er ohne Schaden zu
nehmen
voll belastet werden kann. Vorausgesetzt, es liegen keine gesundheitlichen
Probleme vor und das Training wird sorgfältig Schrittweise aufgebaut. Auch
das
Konzentrationsvermögen erreicht jetzt den Stand eines erwachsenen Hundes, In
der
Erziehung sollte das bereits Aufgebaute noch mehr gefestigt werden. Im Laufe
des
zweiten Lebensjahres sollten die grundlegenden Erziehungsteile soweit
trainiert
und generalisiert werden, dass der Hund in allen Lebenssituationen
zuverlässig
reagiert und sicher kontrolliert werden kann. Außerdem ist jetzt die Zeit
gekommen, die Ausbildung für Spezialaufgaben aus dem Vorbereitungstraining
in
die Hochschul-bzw. Leistungssportphase zu überführen.
Das gilt für den zukünftigen Agility-Champion genauso, wie für den
Jagdge¬brauchs-, Rettungs-, oder Blindenführhund. Der "einfache"
Familien-Begleithund sollte nach Erreichen der Grunderziehungsziele auch
nicht
auf die Rentnercouch abgeschoben werden. Ein entsprechendes Spaß-, Spiel-und
Freizeitbeschäftigungsangebot für die Hundehalter, die zwar keine "höheren"
Ambitionen haben, ihren Hund aber weiterhin geistig und körperlich fit
halten
möchten und dafür Anleitung brauchen, sollte jede Hundeschule bieten.
© Christiane Quandt
|